Seite 1 von 5 20 Jahre Open Art - Die Galerie hat Geburtstag Es war keine schwere Geburt. Sie ging mit viel Fröhlichkeit einher. Aber mit den enthusiastischen Aussichten auf die Zukunft und den guten Wünschen für eine erfolgreiche Entwicklung war es damals schon mit dem Start in ein neues Menschenleben vergleichbar. Gerda Siebelt war im Frühjahr 1990 vierzig Jahre jung geworden, Deutschlands Wiedervereinigung stand in wenigen Tagen an. Es war Aufbruchzeit, die Welt bot an, neues mit ihr zu gestalten. Die Voraussetzungen für den Galeriestart war ihre Arbeit als Kunstlehrerin, die Verfügung über helle Räume in der Filiale des Möbelhauses der Eltern und Freunde, die wie sie ein Faible für Kunst hatten und das gern umsetzen wollten. Fotos zu unserem Jubiläum finden Sie unter kuvi.de Der englische Fotograf Adam Dunning war einer der ersten Stunde, dessen Schwarzweißfotos gezeigt wurden. Mit dem Galerieangebot von großformatigen und vielfarbigen Malereien wurde der Kunstgeschmack und der Bedarf in Borkener Familien abgefragt. Bei Gerda war immer ein großer Ideenpool vorhanden. Von ihrer neuen Basis aus und mit dem Medium Kunst wollte sie in Borken Kunst etablieren und zunächst ins Zentrum der Stadt bringen. Daraus wurde 1993 die erste Artline mit dem Titel Artwork - Hardwork - Artwalk. Viele Geschäfte und fast alle Institutionen, vom Amtsgericht über die Banken bis zur Stadtverwaltung, waren mit Kunst bestückt. Das hatte man in Borken nicht erwartet. Es hat die Stadt verändert. Gerdas Kunstkontakte waren frühzeitig überregional, ja international ausgerichtet. Eine frühe Ausstellung außerhalb der Galerieräume zeigte im Borkener Haus Pröbsting die Kunst der Aborigins mit Unterstützung der Australischen Botschaft. Über eine Amsterdamer Galerie lernte sie den Maler Peter Diem kennen. Eine weitere wichtige Bekanntschaft war Heinrich Neuy, der Bauhaus Maler, Schüler von Wassily Kandinsky, Josef Albers und Mies van der Rohe. Heinrich Neuy war 1994 nach der Restaurierung des „Bauhaus“ in Dessau der erste ausgestellte Künstler in den historischen Räumen. Peter Diem und Heinrich Neuy waren in der großen Differenz ihrer Kunstpositionen wichtige Stützen der jungen Galerie und ihre ersten Garanten für gute Kunst. Peter Diem zählte sich der frühen Europäischen Kunstgruppe „Cobra“ zugehörig und malte vielfarbig, gestisch, mit der Investition seiner gesamten Physis und Psyche. Die am Bauhaus ausgerichteten Themenbilder des Heinrich Neuy dagegen waren von Perfektion, Sachlichkeit und Kenntnis der Geschichte und des Zusammenlebens in feinen Aquarellen gezeichnet. In Heinrich Ohters fand Gerda einen Kunstsammler und Freund, der ihr in vielen Dingen zur Seite stand und Kontakte zur Düsseldorfer Kunstszene hatte, die er gern einbrachte. Durch ihn entstanden wichtige Bekanntschaften auch zu Jörg Immendorfs Studenten von der Düsseldorfer Kunstakademie. Die naiven Anfänge der Galerie rückten mit diesen Erfahrungen schon bald in den Hintergrund. Aus dem Ideenpool entstand dann 1995 die Zweite Artline mit dem Titel Eine Stadt wird zur Galerie. In Borken war man sehr interessiert und kunstverständig. Kreisverwaltung und die Stadt mit Monika Böing der Volkshochschule mit Gaby Schmidt waren mit im Boot. Die Patenschaft übernahm die damalige Bundestagsabgeornete Elke Wülfing. Zum anspruchsvollen Rahmenprogramm gehörten die Sonderausstellungen mit Postkarten von Joseph Beuys - zur Eröffnung sprach sein berühmter Schüler Johannes Stüttgen - und die Präsentation der Plakatserie „Flagge zeigen“ mit Ausführungen weltberühmter Künstler in der Edition von Klaus Steack, der im CDU-dominierten Rathaus eine engagierte Rede hielt. |