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PUERTA Stolz, schlank und unverrückbar steht sie nun auf ihrer Insel, umgeben von tosendem (Kreis-) Verkehr - die große Stahlskulptur PUERTA. Sie hat nun die Bewerbungsphase hinter sich und ist präsent. Viele Borkener sind begeistert von der Landmarke in der Stadt, die wieder etwas über Kunst in Borken aussagt, von Initiativen Einzelner berichtet und auf einen Zugang in die City hinweist, in der noch von Inhabern geführte Kleinunternehmen den Besuchern Warenangebote macht, die man im Großkaufhaus oder beim Discounter gar nicht erst sucht.
Den begeisterten Bürgern stehen auch einige ablehnende Betrachter gegenüber. Hier ist oft die Unsicherheit im Urteil der Grund. Viele sehen offenbar erstmals eine so große Skulptur aus rohem Stahl und vermissen eine gegenständlich abgebildete Person oder das spielerische Figurenensembel aus Bronze, wie es Plätze anderer Gemeinden ziert oder verunziert. Kunst ist frei, vielfältig wie das Universum und wird niemals einen Gleichklang in den Meinungen haben. Der Spanische Künstler Manel Marzo-Mart hat in den Zentren vieler Städte in Spanien, Frankreich, Luxemburg, der Schweiz und in Norditalien Stahlskulpturen platzieren können. Sie sind bis zu 10 Meter hoch geraten. Diese Kunstsparte konnte sich in Südwesteuropa entwickeln, weil Kommunalpolitiker immer bemüht waren auf markanten Plätzen und auf fast jedem Kreisverkehr, Kunst in der Außensprache der jeweiligen Stadt zu Wort - durch Außenskulptur - kommen zu lassen. Wenn wir bei der zu Stahl gewordenen Sprache bleiben wollen, sind hier schnell die großen und berühmtesten Bildhauer dieses Genres Eduardo Chillida und Richard Serra im Gespräch. Chillida ist Nordspanier aus Galizien, Serra spanischstämmiger Amerikaner. Manel Marzo-Mart ist Katalane. Fernsehzuschauer sehen oft einen Blick auf das Kanzleramt in Berlin und dann auch immer die davor stehende große Arbeit von Chillida, die auch ein Tor darstellen könnte.Auch Münster hat an exponierter Stelle in der Innenstadt eine Chillida-Stahlskulptur. Die kapitale Anstrengung für die Verformung des Materials zum Kunstwerk steht der Leichtigkeit der gewordenen Form gegenüber. Beides hat vielleicht zum Entscheid über die Platzierung an den genannten Standorten beigetragen.
In Borken ist natürlich die körperliche Gegenwart rohen Stahls ungewohnt. Es mögen auch noch Stimmen laut werden, die sich von optischen Alterungen am Material - gemein heißt das Rost - abgestoßen fühlen. Unsere Figur wird ihren Alterungsprozess zwar früh beginnen, aber eine Lebensdauer haben, die alle Kritiker überdauern wird. PUERTA kam mit dem Künstler anlässlich einer Ausstellung in der Open Art Galerie im Februar 2009 in die Stadt. Bald war die Idee geboren, „Neutor“ mit „Puerta“ zu verknüpfen und diese als Großskulptur am Eingang zum Cityviertel dauerhaft zu installieren, befand sich doch etwa dort das ehemals „neue Tor“ durch die Stadtmauer in die kreisförmige, mittelalterliche Stadt. Manel Marzo-Mart begab sich nach der Besprechung dieser Idee auf den dafür prädestinierten Platz innerhalb des Kreisverkehrs und kam mit der Absicht zurück, seine Figur den örtlichen Gegebenheiten anzupassen. Die nun neue „Puerta“ war nicht nur schlanker, sondern auch höher und machte schon in dem bald gefertigten Modell einen erhabenen Eindruck. Sie scheint heute über dem quirligen Leben um sie herum schützend und souverän auf zwei mächtigen Beinen zu stehen und vermittelt Bestand, Zuversicht und Vertrauen. Das dreischenklige Element oben in dem schlanken, dynamischen Bogen übernimmt den Part eines Schlusssteins, hat dabei aber die Leichtigkeit eines in die Ferne grüßenden Mediums. Weil es im Gegensatz zur Grundskulptur aus Edelstahl besteht und nicht die rostende Patina erhält, wird dieser Effekt noch verstärkt werden. Das künstlerische Konzept des „neuen Tors PUERTA“ wird den in Borken so geachteten „Poalbürgern“ und den Stadthistorikern schon bald schlüssig erscheinen und zu sachlichen, historischen, vielleicht auch polemischen oder auch satirischen Niederschriften veranlassen. Hartnäckige Gegner werden weiter grummeln, müssen aber dessen ungeachtet jeweils um das Kunstwerk herumfahren. Es geht nicht anders. Kunst hält das aus ! Erwin Kleinau Borken, 12. Dezember 2010
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