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Werner Ruhnau, das Gelsenkirchener Blau und der Foyer-Sessel 14.Dezember 2008 - 25.Januar 2009
Werner Ruhnau war der federführende Architekt der weltberühmten Gelsenkirchener Theaterbauten, die vor 50 Jahren entstanden sind. Während der Bauzeit lebten und arbeiteten Ingenieure, Handwerker und Künstler zusammen in der Bauhütte nach dem Vorbild mittelalterlicher Großbauten. Hier entstand Baukunst! Daraus zeigen wir Arbeiten des Künstlers Werner Ruhnau und werden mit historischen Dokumenten die damalige Stimmung mit ihren Ergebnissen aus den Köpfen von Künstlern wie Norbert Kricke, Yves Klein, Jean Tinguely, Paul Dierkes, Robert Adams, Franz Krause, Charles Wilp und anderen wiedergeben.
Das Gelsenkirchener Blau, das monochrom mit sechs großen Reliefflächen das geräumige Theaterfoyer farbig klimatisiert, ist auch die Farbe der Kunstwerke Werner Ruhnaus. Das Blau zieht sich mit mythischer Kreativität durch Ideen zur Gestaltung des weltberühmten Gebäudes. Es deutet auf Licht, Luft und Freiheit - im Theaterbau durch die von weitem beeindruckende großzügige Öffnung zur Stadt und das zum Wandeln einladende weiträumige Foyer. Großherzigkeit - Sensibilität - sollte es beim "Spiel" bewirken und auf die darstellende Kunst übertragen.

Der Foyer-Sessel gehört wie das Foyer und seine blauen Reliefflächen, die "Trommel" des Zuschauerraumes, das große Außenrelief des vorgebauten Eingangsbereiches, am "Kleinen Haus" die Fassadenskulptur, die Kinetische Installation im dortigen Garderobenbereich und anderer Einzelleistungen zum Gesamtkonzept Baukunst. Der drehbare Sessel ohne Rückenlehne war explizit für den kurzen Zeitraum der Pause zur Nutzung erdacht. Kurzzeitiges Sitzen wurde durch aufwändige Polsterung bei großartigem Design zum entspannten Genuss. Fast 50 Jahre war dieser Foyer-Sessel nur zu bewundern und zu genießen. Kaufen konnte man ihn nicht. Bis heute ! Gemeinsam mit Werner Ruhnau konnten wir den renommierten Hersteller TECTA dafür begeistern, eine Edition dieses Design-Möbels wieder auf zu legen. Bei einer Bestellung bis zum 31. Dezember 2008 können wir dieses schöne Gestühl zu einem Subskriptionspreis anbieten. Der Verkauf erfolgt zunächst exklusiv über uns und später über den Designmöbelhandel. Auf Wunsch senden wir Ihnen einen gesonderten Prospekt zu.
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"Werner Ruhnau, das Gelsenkirchener Blau und der Foyer-Sessel"
Ein Vernissagebericht
Das Spiel und die Leere des Raumes sind Inhalte der Arbeit von Professor Werner Ruhnau. Sie haben Theaterarchitektur und Bühnengeschehen geprägt.
Zum Start der Vernissage zu dieser Ausstellung am 14. Dezember 2008 war die Leere der Galerie bald keine Metapher mehr und das Spiel konnte beginnen.
Werner Ruhnau war mit seiner Lebensgefährtin Elisabeth Stelkens schon frühzeitig gekommen und konnte einer Kunstjournalistin in Ruhe Rede und Antwort stehen. Deren Frage nach "Kunst am Bau" wurde von ihm schnell korrigiert und klar gestellt, dass und warum die Gelsenkirchener Theaterbauten "Baukunst" waren. Auf der Gesamtleistung des Teams aus Künstlern, Handwerkern und Ingenieuren lag die Betonung.
Die Galerieräume hatten sich gegen 17 Uhr schnell mit etwa 80 Personen gefüllt. Darunter Architekten, Kunstprofessoren, Sammler, Künstler, Borkens ehemaliger Bürgermeister, der ehemalige und politisch umtriebige frühere Oberkreisdirektor und der große Kreis interessierter Besucher. Anita Ruhnau, Werner Ruhnaus frühere Gattin, zwei seiner Söhne und seine Schwiegertochter waren gern zur Präsentation der Ausstellung nach Borken gekommen. Mit so regem Besuch in unserer kleinen Stadt hatten sie nicht gerechnet.
Die kompetente Kunsthistorikerin und Autorin Dr. Dorothee Lehmann-Kopp hielt einen fundierten Vortrag und stellt mit Blick in die Kunstgeschichte des Mittelalters dar, wie umfassend talentiert große Künstler waren, die Spitzenleistungen in Baukunst, Malerei, Literatur und sogar Musik in sich vereinten, dass eine Trennung der Kunstdisziplinen erst mit Ende des 19. Jahrhunderts Eingang fand. Als Beispiele führte sie Namen wie Leonardo da Vinci, Alexander von Humboldt und Johann Wolfgang von Goethe an.
Sie konnte deutlich machen, wie Yves Klein, Jean Tinguely, Norbert Kricke, anderen am Bau Tätigen im Team gleichgestellt waren. Das Leben in der Bauhütte - auch hier ein Verweis auf Bauverfahren in Gemeinschaftsarbeit mittelalterlicher Bauleistungen - schweißte die Leistungsträger beim Erleben des gesamten Alltags zusammen. Nach harter realer Arbeit am Gewerke ließ man Kreativität und Phantasie freien Lauf und gebar so manche Idee, deren Realisierungsmöglichkeiten in froher Runde zunächst irrelevant bleiben konnten.
Aus Spreu und Weizen entstand völlig real das große Vorhaben der Gelsenkirchener Theaterbauten mit gelu ngenen Einzelleistungen als Gesamtensemble. Neben den sechs großen blauen Flächen - vier aus Schwammreliefs und zwei jeweils etwa 140 qm großen Putzreliefs - die natürlich die großen Blickfänger sind, gibt es unwiederbringliche Kunstwerke: An der Außenfassade des Kleinen Hauses die "Flächenbahn" von Norbert Kricke, das skulpturale Großrelief von Robert Adams, an der langen Front des Haupteingangsbereiches, die beiden kinetischen Installationen von Jean Tinguely und der Reliefputz an der "Trommel", der Außenhaut des Theaterinneren, des Zuschauerraumes, von Professor Dierkes.
Franz Krause hatte die Aufgabe, das Interieur zu gestalten. Er entwarf Tische mit Sitzgelegenheiten und Theken für den Pausensekt oder - im Revier - die Flasche Pils. Der runde Drehsessel ohne Rückenlehne hat es dem Galerie-Team angetan. Der Wunsch, interessierten Design-Liebhabern, diesen zum Kauf anbieten zu können, fiel bei Werner Ruhnau auf fruchtbaren Boden. Der renommierte Hersteller für Design-Klassiker TECTA konnte gewonnen werden. Eine Edition von 50 signierten "Foyer-Sesseln" ist in Auftrag gegeben und kommt bei schnell entschlossenen Käufern bald zur Auslieferung.
In einem lockeren Gespräch kamen der Künstler Werner Ruhnau und seine damalige Gattin Anita Ruhnau noch auf die Zeiten der Bautätigkeit und des Lebens in der Bauhütte, das war die Alte Feuerwache, lebhaft zu sprechen. Luftarchitektur, Spiel der Elemente, Feuerwände, Klimatisierung des Raumes, kosmische Einflüsse, Schaffung des Garten Eden… Aus viel Theorie und Ausschweifungen der Fantasie wurde letztendlich der reale Theatertraum. Aus dem Team wurden die "Blauen Patrioten". Man gelobte, eine geistige Einheit zu bleiben und die Leistungen aller als Gesamtwerk zu betrachten und sich gegenseitig zu vertreten. Spontan wurde Galerist Erwin Kleinau von Professor Werner Ruhnau in den Kreis der "Blauen Patrioten" integriert.
Wenn auch der Vortragsblock mit der Begrüßung von Gerda Siebelt, dem erhellenden und informativen Vortrag von Frau Dr. Lehmann-Kopp und den Statements von Anita und Werner Ruhnau über die 50 Jahre zurückliegende Zeit des Werdens eines der wichtigsten Theaterbauten Europas ein wenig lang geraten war, konnten wir doch auf eine aufmerksames Publikum rechnen, das sich dann mit tiefem Interesse und soeben gehörten Zusammenhängen die ausgestellten Arbeiten mit Muße angesehen hat.

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