Das 20. Jahr - Ja, Frauenpower !

Hier eine Kunstgalerie ? In Borken ! Was soll das - was wollt ihr denn damit erreichen ?

So oder ähnlich waren die ersten Reaktionen am 29. September 1990 auf die Eröffnung der „Open Art Galerie“ im damaligen Teil des Möbelhauses Siebelt in der Weseler Landstraße.

Aber am Start war Frauenpower: Gerda Siebelt, 40 Jahre jung, voller Ideen und kreativer Kraft hatte sich in den Kopf gesetzt, Borken mit Kunst und Initiativen zu überziehen. Mit einigen kunstsinnigen Freundinnen und Freunden wollte sie, von ihrer Liebe zu Innenarchitektur, Design und schöner Malerei gesteuert, den Borkenern das heimische Ambiente verschönern.

Recht schnell fanden sich Künstler, deren Arbeiten, zunächst mit Malerei und Skulptur, Niveau einbrachten, den Fokus auf die Kunst lenkten und die Mannschaft veranlassten, sich mit dem Geschehen um diese Abteilung auseinander zu setzen und sie schon bald für Kulturschaffende interessant machte.

Mutig organisierte man schon 1991 erste Ausstellungen mit gelungenen Vernissages von KünstlerInnen, die erkennen ließen, wie gut doch der Ort für eine anspruchsvolle Galerie geeignet ist. Nichts ist in dem Kunstort besser gediehen als überbordende Ideen. Und, vor nichts machte sich die Galeristin bange. Im hochnoblen Herrenhaus Pröbsting hier in Borkens guter Stube zeigte sie Kunst der „Aborigines“ mit Beteiligung der Australischen Botschaft als erste außerhalb der Galerie stattfindende Ausstellung.

Die größte der realisierten Ideen war die Gründung der biennalen Ausstellungsreihe „Artline“ im Jahr 1993, als es hieß: „Artline - eine Stadt wird zur Galerie“. Der dazu erschienene Katalog stellte Künstler aus mehreren Ländern vor, die in der Galerie, vielen Ladenlokalen und Institutionen der Stadt ausgesuchte und künstlerisch sehr qualitative Arbeiten zeigen konnten.

Das war die erste Artline und die erste organisatorische Meisterleistung von Gerda Siebelt, der noch mehrere Artlines und Meisterleistungen folgen sollten. Die „Artline 5“ kuratierte der berühmte Ausstellungmacher Jan Hoet.

Die drei Künstlerinnen dieser Jubiläumsausstellung Ina Buisman, Uta Göbel-Groß und Elke Tenderich-Veit sind Frauen, die sehr früh ihre Arbeiten in der Galerie ausstellten in dem Bewusstsein, hier wächst etwas heran, das gründliche Substanz und eine solide Basis für kontinuierliche zukünftige Zusammenarbeit hat. Viele Auftritte und Ausstellungen haben sie mit der Galerie bestritten und in den vergangenen 20 Jahren ebenfalls ihren eigenen Weg in der Kunst gefunden, zu Erfolgen entwickelt und sich in ihrem Kunstgeschehen Raum geschaffen.

Ina Binaiusman schöpft ihre künstlerische Kraft aus ihrer Lebenphilosophie, gepaart mit tiefer Kenntnis literarischer Grundlagen und geistiger Kraft. Aus diesen Antrieben wurden informelle Malerei, fantastische Skulpturen von mobilarer Art bis hin zu schamanisch anmutenden Formen aus archaischen Mitteln. Ihre Persönlichkeit und innere Potenz zeigt sie in Performances, die unter die Haut gehen können. Eine solche Performance präsentiert sie uns zur Vernissage am 29. September 2010 in der Galerie.

 

 

utaUta Göbel-Groß, in der Nähe von Aachen zu Hause, ist eine gestische Malerin. Ihre Themen sind femininer Natur. Die Frau als das Individuum tritt in abstrahierter oder auch deutlich realistischer Form und Farbe mit ihren Stärken - aber durchaus auch mit ihren natürlichen Schwächen auf. Quadratisch oft finden wir Ereignisse aus ihrem Unterleib oder ihrem Kopf auf Leinwänden und kraftvoll farbigen Papieren. Schlanke Hochformate zeigen stolze Frauenkörper. Der feminine Motor in ihr hat sie zur Organisatorin von Frauenpower in der grenzübergreifenden Region im Niederländisch-Belgisch-Deutschen Gebiet gemacht. In der Aachener Partnerstadt, im südafrikanischen Kapstadt, hat Uta mit ihrer künstlerischen Arbeit soziale Projekte mit einheimischen und auch benachteiligten Kindern und Jugendlichen zu deren Vorteil durchgeführt. Afrika, seine Menschen und das gänzlich andere Leben dort haben inzwischen auch von ihr Besitz ergriffen.

In Borken ist Utas Auftritt zur Artline 3 im Jahre 1997 unvergessen. Mit zwei weiteren Künstlern aus anderen Kunstdisziplinen hat sie eine Performance gezeigt, die unter heutiger Sicht eine internationale Beachtung verdient hätte. Begleitet von dem Geiger Christopher Vio und während des gesamten Auftritts von dem hervorragenden Werbefotografen Heinz Anschlag fotografiert, malte sie vor Publikum ein großformatiges Bild, das ebenso wilde Aktion darstellte, wie es an dem langen Abend knisternd dem Publikum vermittelt wurde.

Utas Arbeiten zu sehen ist zu wenig, man muss sie erleben, sich von ihrer Farbperformance gefangen nehmen lassen, versuchen, einzutauchen in ihre feminine Welt, die Kontinente überspannen und Barrieren lösen kann.

Zu unserem Jubiläum fällt ihr sicher eine spektakuläre Aktion zur Ausstellung „Frauenpower“ ein.

elkeElke Tenderich-Veit ist die Künstlerin mit Skulpturen von starken Frauen, die auch unsere Einladung mit echter Frauenpower zieren. Selbst eine eher weniger äußerlich auftrumpfende Weiblichkeit verleiht sie die in ihr wohnende Kraft ihren Skulpturen aus irdenen Materialien oder Bronze. Aber auch Zeichnungen, Aquarelle und Kunstwerke aus anderen Disziplinen unterstreichen ihre außergewöhnliche und vielfältige Kompetenz im Kunstgeschehen. Viele großformatige Skulpturen im öffentlichen Raum repräsentieren ihre künstlerische Akzeptanz und Qualität. Jeder starke Auftritt zeigt die breite Basis ihrer künstlerischen und geistigen Grundlagen, die aus ihren Arbeiten sprechen.

Diese drei Künstlerinnen zeigen Arbeiten zum Sehen und Anfassen. Ihre Vitae lassen sich aus den jeweiligen Entwicklungen erfassen, nachvollziehen oder auch nachlesen.

Die Vita Gerda Siebelts Open Art Galerie konnte man miterleben. Seit 20 Jahren haben sich Gelegenheiten dafür angeboten. Die Vernissage der Ausstellung Frauenpower ist ein Markstein, der die Galeriearbeit jetzt Revue passieren lässt.

Zweifellos werden die frühen Jahre und ihre Entwicklung bis heute Ihre Beurteilung erfahren.

Wir wollen diese gern wissen ! Können Sie uns das mitteilen ?

Wir freuen uns auf Sie - seit 20
Jahren Erwin Kleinau

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Bilder der Ausstellung von Jean-Michel Simon