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Erst vor etwa 18 Monaten haben wir 90 Jahre Bauhaus mit einer Ausstellung unterstrichen und bedenken jetzt den 100. Geburtstag des „jüngsten“ (Wikipedia) Bauhauskünstlers acht Jahre nach seinem Tod ebenfalls mit einer Ausstellung.
Heinrich Neuy hat von 1930 bis 1932 am Bauhaus in Dessau bei den bekanntesten Lehrern Josef Albers, Mies van der Rohe und Kandinsky studiert. Will man vom Geist des Bauhaus schreiben, den Heinrich Neuy aufgenommen hat, könnte man lange Abhandlungen darüber füllen, was damit näher gemeint ist. Es war dort eine Philosophie entstanden, die aus dem Zusammenleben von Schülern und Meistern mit hohem Anspruch entsprang. Das Handwerk verschiedener Gewerke wurde nur als Grundlage gesehen. Man fand geistige Zusammenhänge, die mit Intelligenz und Kreativität gefüllt wurden. Maler und Gestalter erfanden den Umgang mit Farben und Formen für sich neu. So fand das Bauhaus einen Ausdruck, der für die Zukunft weltweit zu einem Markenzeichen werden sollte. Beginnend mit der Schließung des Bauhaus im Januar 1933 setzten sich die Nazis auch zunehmend mit der dort entstandenen Kunst auseinander und erfanden bald den Begriff „entartet“ dafür. Lehr und Arbeitsverbote für Meister und Schüler waren die Folge. Der Kunststandort Deutschland erfuhr durch die Flucht vieler Künstler ins Ausland einen Aderlass, der Entwicklungen um Jahrzehnte zurückwerfen sollte.
Erst nach dem 2. Weltkrieg in amerikanischer -Gefangenschaft in England konnte er sich wieder an die Malerei begeben, weil er einem Schottischen Arzt von seiner Lehrzeit bei Kandinsky erzählte. Dieser besorgte Papier und Farben und erhielt den gemalten Beweis für seine Berichte. Wieder daheim waren Aufbauarbeit, die Überwindung des Chaos und Kreativität für eine lebbare Neuordnung gefragt. Im bürgerlich katholischen Borghorst waren Kunst und Bauhausideen nicht gefragt. Als seine Ideen über eine Werkkunstschule mit Bauhaus-Ausrichtung bekannt wurden, wetterte man sogar von der Kanzel gegen den Mann mit den irren Gedanken. Glücklicherweise war solide Schreinerarbeit gefragt und ein kleiner Laden mit kunstgewerblichen Dingen musste für hohe Kunstideen und die großen Zusammenhänge ausreichen. Erst weit nach Erreichen des Pensionsalters hat er es sich geleistet, wieder zu malen. Aquarelle entstanden auf bestem französischen, schweren Bütten. Die ungegenständliche Darstellungsweise erlaubte, in seinen Arbeiten Gedanken unterzubringen, die sich wieder mit der Bauhausphilosophie befassten. Dreieck, Kreis und Quadrat waren seine Hauptdarsteller und knüpften mit Beziehungen zu Formen und Farben die Gesamtwerke mit oft philosophischen Titeln. Bilder entstanden in kompositorischer Arbeitsweise, auch mit Bezügen zur Musik, Physiognomie, Architektur und der Beschäftigung mit der Kreativität in der Entstehung der Malerei.
Anfang der Neunziger Jahre entstand der Kontakt zur Open Art Galerie. Gerda Siebelt fand eine herzliche Nähe zu dem Künstler und denkt gern an lange intensive Gespräche mit ihm über seine philosophischen Gedanken, die in seine ausdrucksstarken Bilder einflossen. Dieser Austausch begründete ihre Begeisterung für seine Arbeiten. Mit dieser eigenen Überzeugung konnte sie erfolgreich Kunstliebhaber finden und maßgeblich an Heinrich Neuys später Popularität mitwirken. In diesem Zeitraum konnte er auch seine größten Erfolge genießen, die er immer in aller Bescheidenheit errang. Als das Bauhaus in Dessau nach der Wiedervereinigung renoviert war, zeigte man in einer ersten Präsentation in den neuen, alten Räumen eine Einzelausstellung mit seinen Bildern. Danach war es auch dem Westfälischen Landesmuseum in Münster ein Bedürfnis, ihm eine Ausstellung zu widmen. In diesen Jahren war er ein fleißiger Künstler, der eine Vielzahl hochwertiger Aquarelle fertigte. Als seine geliebte Frau 2001 starb, beendete er seine künstlerisch aktive Phase. Er starb im März 2003 in Alter von 91 Jahren. Zehn Jahre später konnte unter seinem Namen das einzige Bauhaus-Museum in NRW eröffnen. Die von Hedwig Seegers 2005 gegründete Heinrich-Neuy-Stiftung konnte eines der ältesten Häuser Borghorsts dafür erwerben. Sie und engagierte Mitglieder haben es mit zäher Geduld, finanziellem Einsatz, konsequenter Zielverfolgung und harter Arbeit in über fünf Jahren bis zu diesem Ergebnis geschafft. Auch das Land NRW, die Stadt Steinfurt, der Landschaftsverband LWL und die Münsterlandstiftung haben Geld bereit gestellt, um eine neue Einrichtung zu schaffen, die das Andenken an Heinrich Neuy wach halten und helfen wird, den Bauhausgedanken zu manifestieren. Am 27. Juli 2011 wäre Heinrich Neuy 100 Jahre alt geworden. Dieser erinnernswerte Jahrestag und die Museumgründung haben uns zu einer Ausstellung in der Galerie veranlasst. Wir zeigen keine Memoiren sondern seine Aquarelle, die so frisch und eindringlich wirken, als seien sie nach neusten Erkenntnissen gerade entstanden. Wir zeigen die Ausstellung bis Mitte September 2011.
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