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LEBEN LIEBEN LEUCHTTURM Elisabeth Schmirl und Stefan Heizinger Sie sind jung, begabt, gut ausgebildet und voller Tatendrang. Sie bewegen sich in der Szene junger Kunst gekonnt und sicher. Von einem selbst errichteten Tableau agieren sie aus Salzburg inzwischen für sich und andere junge Künstler ihrer Genres, für die sie international geknüpfte Verbindungen herstellen und gemeinsam bespielen. Periscope heißt dieses Forum. Elisabeth und Stefan haben es gegründet und erfüllen es mit Leben. In ihren eigenen bereitgestellten Räumen inszenieren sie Ausstellungen, Lesungen, Performances und spontane Kunstaktionen. Weil ein Periskop vom Untergrund in die Oberwelt blicken kann, übt man von Salzburg aus den Blick in die Kunstwelt bis Paris, Amerika, Estland und zu anderen Gruppen junger Künstler in Europa, die sich oft in Produzentengalerien zusammen geschlossen haben. Das hat ihnen und ihren Salzburger Freunden Ausstellungen und Kunstpräsentationen in Düsseldorf, Berlin, Frankfurt und Leipzig gebracht – hier sind nur Beispiele aufgeführt. In Salzburg gehören die beiden Absolventen des Mozarteums mit ihrer dort genossenen, gründlichen Ausbildung in Kunst und anderen Studiengängen wie Psychologie und Germanistik inzwischen zu den etablierten Künstlern, auf die man stolz ist in der Mozartstadt. Folgerichtig haben beide Studienaufenthalte in Amerika und Paris als Stipendiaten erhalten. Bei der inzwischen sehr renommierten Salzburger Sommerakademie sind beide als Gastdozenten eingeladen. Stefan arbeitet darüber hinaus am Mozarteum als Dozent mit jungen Künstlern der nächsten Generation. Um die revolutionäre Grundausrichtung beider zu erkennen, muss man sich mit ihren Arbeiten auseinandersetzen. Elisabeth Schmirl läuft Gefahr als akribische Perfektionistin gesehen zu werden. So präzise ist ihre Malerei von meist weiblichen Personen in derer jeweils eigenen Welt. Ein Geheimnis scheint von den oft kleinformatigen Leinwänden aus zu gehen. Ihre zarten Farben versuchen, jeden Schock zu vermeiden, den die Situation, in der sich die Abgebildeten befinden, doch eigentlich hervor rufen könnte. Den Betrachter erfüllt augenblicklich eine Neugier und er merkt kaum, wie er einen Schritt näher an die Szene geht. Der Voyeur in ihm ist hervorgetreten. „One Step closer“ hieß deshalb unsere Ausstellung mit ihren kleinen Formaten in der Galerie im Jahr 2007. Videos zur Ausstellung 2007 (Kris Miko): Einige Szenen und Gesichter glauben wir ebenso zu erkennen, wie die Räume, in denen sich die Rahmenhandlung abspielt. Elisabeth greift einige Male auf Prominente Gesichter in bekannten Handlungen zurück und zeigt oft die gespielte Nonchalance von Besuchern in Museen, wobei offensichtlich wird, wie sehr sie hier die falschen Personen am Ort sind. Wer Elisabeth begegnet, könnte Angst haben in einer ebenso verfangenen Szene von ihr gesehen und dann gemalt zu werden. Sie wäre dann bald einsam in Gesellschaft. Die von ihr ins Bild gesetzten Personen kennt sie nicht und hat sie nie gesehen. Das unergründliche World Wide Web bietet ihr die Vorlagen. So können Abstand und Anonymität gewahrt bleiben. Es ist nicht vorgesehen, dass Modell und Bild jemals zu einander finden. Die liebevolle, höfliche und unaufdringliche Weise, mit der Stefan Heizinger auftritt, lässt nicht erahnen, wie krass seine Malerei in großen Formaten und signalisierenden Farben ist. Keins seiner Bilder zeigt die freundliche Gesellschaft, die liebliche Landschaft. Die Vordergründigkeit einer Personengruppe aus Partyfreunden oder Bankertreff zeigt gleichzeitig ihre unerkannte Deplatzierung. Heftige, oft Pressefotografien entlehnten Szenen, zeigen seine Kritik an weltpolitischen Ereignissen, zeigen wie bizarre Gewaltakte sich aus männlichen Erotikvisionen speisen. Der Atompilz als phallisches Symbol ist hier eins der Endprodukte. Da malenswerte Geschehnisse aus der Politik oder gar nahe der Apokalypse nicht der Gegenwart vorbehalten sind, entnimmt Stefan Themen und Gestus gelegentlich von den großen Vorbildern, wie z.B. Caravaggio. Dessen „Grablegen“ lässt bei Stefan Heizinger den Betrachter grübeln, welch niederer Beweggrund bei den Akteuren hier zu erkennen ist. Legt hier die Kirche ihre 2000 Jahre währende Geschichte einfach ab ? Auch eine scheinbar lockere Begegnung am Pool schreit geradezu nach der Analyse auf das Schlechte in den dargestellten Typen, denn die Personen auf dem Bild sind zu Statisten degradiert. Der Bildinhalt ist ein Anderer. Kinder, vom Eisbär Knut nur durch die dicke Glasscheibe des Beckens getrennt, scheinen unschuldig das wilde Tier zu beobachten. Der Betrachter sucht emsig eine Definition für das Verstörende an diesem Bild. Stefan zieht Spannung in seine Bilder durch zeichnerische Elemente in seiner Malerei, die Abstraktionen in seinem gegenständlichen Duktus erlaubt. Er zerstreut die Erinnerung an seine großen Vorbilder, in dem er Grundsätzliches aus deren Werken ins Gegenteil umkehrt. Das Auge sieht die Renaissance, doch Verstand und Erinnerung folgen nur träge. Stefan Heizinger hat festgestellt, wie Themen aus seiner Malerei, in Grafik umgesetzt, eine generell andere Wirkung erzielen. Für ihn ist das eine neue künstlerische Herausforderung. An dieser für ihn neuen Kunstdisziplin hat er große Freude.
Wir zeigen Malerei von Elisabeth Schmirl und Stefan Heizinger und dessen grafische Arbeiten in unserer Ausstellung „Leben Liebe Leuchtturm“ vom 11. Juli bis zum 15. August. Der Besuch der Ausstellung und der Vernissage am Sonntag, 11. Juli 2010 um 17 Uhr in der Galerie ist aus diesen Gründen empfehlenswert ! Gerda Siebelt und Erwin Kleinau
Leben Lieben Leuchtturm - Ein Vernissage-Bericht
Eine Galerie-Ausstellung in hochsommerlicher Zeit haben wir in den vergangenen Jahren immer vermieden. Entsprechend herrschten am 11. Juli auch tropische Temperaturen, die dennoch über 30 Kunstfreundinnen und Kunstfreunde nicht davon abhielten, die Ausstellungseröffnung in Gegenwart von Elisabeth Schmirl und Stefan Heizinger zu erleben. Wer dennnoch gekommen war, brachte ernsthaftes Interesse mit.
Hier war schnell klar, auf welch fundiertem Niveau und mit welch gründlichen Kenntnissen in Kunst und Kunstgeschichte beide ihre Arbeiten entwickelt haben. Als Paar treten sie in harmonischer Gemeinschaft auf. Ihre Bilder sind so unterschiedlich, wie es nicht deutlicher sein könnte. Die exakt und zeichnerisch gemalten Personen mit ihren jeweiligen Umgebungen in zurückgenommenen Farben von Elisabeth Heizinger vereinnahmen den Betrachter und verlangen den genauen Blick. Dem stehen die mitunter heftigen Szenen in der Malerei von Stefan Heizinger gegenüber, die ihre Botschaft recht laut verständlich machen.
Die Szenen in Elisabeths Bildern sind in der Gegenwart angesiedelt, die Motive dem World Wide Web entnommen. Stefan zitiert in seinen Arbeiten große Meister, Stars aus Pop und TV und zeigt Kritik an Medien und Gesellschaft. Es werden wohl im Verlauf der Ausstellung bis zum 15. August viele Interessierte die Galerie besuchen, die wegen des heißen Vernissage-Tages das Haus nicht verlassen haben. Sie haben die Gelegenheit, in Ruhe die Werke von Elisabeth Schmirl und Stefan Heizinger für sich in Ruhe betrachten zu können.
Gerda Siebelt Erwin Kleinau Borken, 12. Juli 2010
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