Christian Hasucha  -   Hochwasserfarben und eine Baustelle

Mit Christian Hasucha arbeiten wir ganz sicher mit dem bisher ungewöhnlichsten Künstler zusammen.

Bei ihm passiert Vieles mit „ i“. Er interveniert, installiert, initiiert, implantiert, irritiert gewaltig und es gibt „Herrn Individual“. Ist aber nicht schlimm - gehen wir doch näher darauf ein.

Mit seinen „Interventionen“ hat Christan Hasucha sein Parkett geschaffen. Er stellt sich über die bisher üblichen Ebenen der Kunstdisziplinen von Konzeptkunst, Performance und Installation, in dem er in Bestehendes und Gewohntes eingreift.

Lässt man sich auf sein Werk ein, bleiben Auge und Wahrnehmung mit skeptischem Interesse am Objekt hängen. Steht auf einem großen Sockel im öffentlichen Raum normalerweise ein unbewegliches Denkmal - mit Pferd oder ohne - „geht“ in Hasuchas Arbeit „Herr Individual“ stundenlang als kinetische Großskulptur an exponierter Stelle, aktuell in Bonn, bisher in Bochum, Berlin, Köln, Frankfurt am Main, Dublin und Pècs in Ungarn. Haben an über 1.850 Tagen die Menschen zwischen Velen und Ramsdorf im Kreis Borken mit dem Blick auf das Wort heute über ihren Tag nachgedacht, werden sie es in Kürze schmerzlich vermissen, weil „heute“ eben nicht ewig dauern kann.

"Herr Individual geht"

In den oberen Bereich eines 2,40 m hohen Betonschachtes ist ein kurzes Laufband eingebaut, welches durch einen starken Elektromotor angetrieben wird. Auf diesem Laufband, dessen Geschwindigkeit auf zügiges Schritt-Tempo eingestellt ist, geht ein normal gekleideter Mann mit einem alltäglichen Gegenstand in der Hand.

Die Kunstdisziplin, in dessen Rahmen Christian Hasucha arbeitet, ist ein schmales, geöffnetes Fenster und gibt den Blick frei auf Gegebenheiten, die dem Unbedarften aus dem Alltag heraus anspringen. Hier liest man ein Wort in einem See, dort ist der gewohnte Parkplatz plötzlich ein Anderer. Ein vertrauter Platz in Münster zeigt sich auf einmal seitenverkehrt.

Hasuchas Arbeiten verstören, weil der Betrachter in diesen Fällen nicht der Galerie- oder Vernissage-Besucher, sondern der zufällig des Wegs Kommende ist.

Seine Arbeiten ziehen die Blicke mit einem nicht abzuwehrenden Sog auf sich. Mal ist es Kinetik, mal eine ungewohnte statische Option, die dem Vorbeigehenden keine Chance zur Gleichgültigkeit lässt.

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Christian Hasucha, gründlich ausgebildet an der Universität der Künste in Berlin, mit einem DAAD-Stipendium und der Chelsea School of Art in London, wo er später Dozent war, unterrichtete auch als Gastprofessor in Berlin, Trondheim, Kassel, Greifswald, Linz, Köln und Weimar. Seinen ungewöhnlichen Winkel der Sicht der Welt schliff er in einer einjährigen Arbeitsreise durch Europas Regionen abseits ausgetretener Pfade. Er reiste mit einem Transporter, der ihm Wohnung, Atelier und Ideenschmiede war.

In der Open Art Galerie in Borken findet man eine Chaos-Situation vor, die unverhofft von einer Sekunde auf die andere ein Bild bürgerlicher Normalität darstellt. Kopfschütteln wechselt ebenso unverhofft in ungläubiges Staunen. Der Betrachter fühlt sich indisponiert und in Frage gestellt.

Die Hochwasserfarben von Christian Hasucha werden in einer Edition von C-Prints in geringer Auflage gezeigt.

Hochwasser und Baustelle ? Geht’s mit ein bisschen weniger Chaos ? Sehen wir in der Ausstellung eine Spiegelung der Gegenwart ?

Der Künstler gibt Antwort auf zwangsläufig aufkommende Fragen zur Vernissage am Sonntag, 22. August, um 17 Uhr in der Open Art Galerie für Gegenwartskunst. Die Ausstellung ist bis zum 20. September 2010 in der Galerie in Borken zu sehen.

Presseberichte:

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BZ 31.07.2010 BZ 21.08.2010