Jahresrückblick über die Galeriearbeit 2004

Das Galerie-Team kann auf kleine Erfolge 2004 stolz sein.

Eine deutliche Hinwendung zur Gegenwartskunst mit 5 interessanten Ausstellungen
ist auch dem Publikum nicht verborgen geblieben.


Rein äußerlich war die erste Ausstellung im Februar betitelt. Mit Ung Pil Byen und
Edith Micansky waren daran zwei Studenten der Kunstakademie Münster beteiligt, die inzwischen ihr Examen bestanden haben und nun Meisterschüler sind. Ung Pil ist ein gefragter Künstler geworden, der mehrere Ausstellungen hatte und Anfang 2005 eine
internationale Kunstexhibition mit seinem Professor Guilliaume Beijl in der Nähe von Rotterdam beschicken wird. Von Ulla Lückerath zeigten wir „Knibbelfinger“, die rein äußerlich wahrlich nicht schön, aber als Teil ihres Internet-Zyklus durchaus als aussagekräftige Porträts zu verstehen waren. 10 Fingerbilder – Acryl auf Leinwand, ca.
80 x 60 cm – machten neugierig auf die anderen Gemäldeserien ihres Internet-Themas.
Für die Rede zur Vernissage konnten wir Dr. Josef Spiegel, Leiter des Künstlerdorfes Schöppingen, gewinnen, der deutlich machen konnte, dass es sich hier um Kunst handelte,
die aktueller kaum sein kann. Nebenbei hatte er für die Galerie und den Mut des Teams
ein dickes Lob parat: „Keine Galerie zwischen Münster, dem Ruhrgebiet und der Grenze
zu den Niederlanden zeigt Kunst der Gegenwart in dieser Konsequenz und Qualität.“
Die Ausstellung rundeten wir ab mit einer an einem Sonntagnachmittag veranstalteten Talk-Runde. Der Kunsthistoriker Dr. Martin Hennatsch, inzwischen verantwortlicher Leiter des
im Juni in Münster eröffneten Speicher II –Ausstellungshalle für Gegenwartskunst und Atelierhaus – diskutierte in unserer Moderation mit den beiden Künstlerinnen über ihre Arbeiten und das Kunstgeschehen in der Region.

Anfang März war die Galerie Teilnehmer der „Deutsch-Niederländischen Grafikbörse“ und
präsentierte dort Grafiken aus unserer Corneille-Ausstellung vom September 2003 und Arbeiten, die wir ständig mit unserer Systemwand „Das Kleine Format“ in der Galerie zeigen.
Auch am ersten Wochenende im März 2005 sind wir wieder auf dieser Grafik-Börse im Vennehof in Borken präsent.

Als eine Herzensangelegenheit haben wir unsere Mai-Ausstellung „Afrikanische Kunst – contemporary“ betrachtet. 6 Afrikanische Künstler – Weltbürger inzwischen – zeigten
Malerei, Skulptur und Installation. Mit Cheri Samba, Owusu Ankomah, Sokari Douglas Camp, Aboudramane und Pascal-Marthine Tayou waren Künstler mit ihren Arbeiten
vertreten, die in dieser immer populärer werdenden Kunstsparte weltberühmt sind. Der in
Den Haag lebende Nigerianer Toyin Loye war in diesem Kontext unsere Neuentdeckung und war mit den erhabenen Foto-Porträts seiner Landsleute schnell in der Gunst der Besucher.



Das Thema Afrika wurde in Borken durch die Ausstellung Namibischer Grafik im Stadtmuseum vertieft, die zeitgleich mit „Afrikanische Kunst – contemporary“ der Galerie gezeigt wurde.

Für zwei weitere Museen war Afrika eine Ausstellung wert! In Düsseldorf startete im Juli „Afrika Remix“, fast schon eine Weltausstellung dieser Kunstgattung, denn hier zeigten 90
Künstler aus ganz Afrika eine weite Spannbreite hochinteressanter Arbeiten. Es machte uns stolz, dass drei der von uns gezeigten Künstler auch hier vertreten waren. Afrika Remix wird
2005 auch in Tokio, London und im Centre Pompidou in Paris zu sehen sein.

Auch in Bochum zeigte man Afrika mit dem Titel „New Identities“. Das war allerdings eine Schau ausschließlich Südafrikanischer Künstler.

„Afrikanische Kunst – contemporary“ ging mit einer Finissage am 27. Juni zu Ende. Wir hatten zu Afrikanischem Essen und Trinken eingeladen und unsere zahlreichen Besucher waren aufmerksame Zuhörer, als Toyin Loye sich als jüngster Sohn eines Yoruba-Königs vorstellte und mit Gerda Siebelt ein hochinteressantes Gespräch über Politik Afrikas führte, bei dem sich Ansichten des Blickwinkels eines Afrikaners einstellten.

Im Frühsommer hatten wir einen Künstler kennen gelernt, dessen Zeichnungen, Papiergouachen, Gemälde und Kleinskulpturen unsere spontane Begeisterung fanden.
Spontan entschlossen wir uns zu einer Ausstellung mit den Arbeiten von Dennis Zanoni
im September. Der auf der Karibik-Insel Curacao geborene Künstler spendierte uns zur
Vernissage als Performance sein „Ik-poem“. Er hätte sich nicht besser vorstellen können!
Man fand einen Standpunkt zu seinen Arbeiten voller Kreativität, die zu bändigen und Objekt werden zu lassen wohl sein jeweiliges Tagesproblem zu sein scheinen. Gegenwartskunst zeigte sich hier in sehr differenter Art und begeisterte unser Publikum mit bezahlbarer Kunst.
Dennis ist in Almelo in Holland zu Hause. Viele Besucher aus dem Nachbarland fanden den Weg in unsere Galerie. Dort spricht man jetzt auch über uns – positiv.

Der 1. November – Allerheiligen – ist oft der Start in die trübe Jahreszeit mit entsprechender Gemütsverfassung. Als auf den Gräbern rote Lichtlein brannten, präsentierten wird eine Vernissage mit Leuchtobjekten von Klaus Geldmacher. Etwa 30 in allen Farben gestalteten Elektroskulpturen illuminierten die Galerie und bescherten der Galerie wieder einmal eine Vernissage mit etwa 100 sehr kunstinteressierten Besuchern. Schnell waren die ersten Exemplare der von Klaus Geldmacher für diese Ausstellung kreierten 10 „Variable“ zum Subscriptionspreis verkauft. Die Besucher lernten einen Künstler persönlich kennen, der – „documenta“-Teilnehmer 1968 – auch Politiker, Gewerkschafter mit Zielerfolg und auch Jazzmusiker war. Und eine Nische im Kunstgeschehen besetzt: Leuchtskulpturen – und das seit fast 40 Jahren.

Von der Gesellschaft für Kunst und Kultur Westfalens – GWK – und der Borkener Volksbank initiiert, fand am 19. November in der Schlosserei der Borkener Kistenfabrik ein Konzert mit Venezianischer Musik statt. Klaus Geldmachers Leuchtobjekte trugen dem fröhlichen Musikthema Rechnung und beleuchteten dezent aber unübersehbar die von 180 Kunstinteressierten besuchte Industriehalle. Zu anspruchsvoller Musik ausgefallene gute Kunst – das haben sich Publikum und Veranstalter gern angesehen.


Am 6. November haben sich wieder 30 Damen der Soroptimisten aus 3 Clubs – Bocholt, Coesfeld und Recklinghausen – in der Galerie getroffen. Wir konnten zu der eindrucksvollen Leuchtobjekt-Ausstellung den Künstler präsentieren. Für eine interessante Talk-Runde stand uns freundlicherweise ein weiterer Künstler zur Verfügung, der ebenfalls gleichzeitig namhafter Gewerkschafter ist. Bei so viel Berührungspunkten entwickelte sich ein flüssiges Gespräch, das zeigte, wie umgänglich, natürlich und auch charmant Künstler sind, wenn sie über sich erzählen. Alle freuten sich über die Einladung zum ersten November-Samstag 2005, um dann wieder in der Galerie zu Kunstgespräch und Ausstellungsbesuch zusammen zu kommen.

2004 war für fast alle Unternehmen ein Jahr, das die Zielsetzungen nicht erreichen konnte.
Wie für alle, soll es auch für uns Ansporn zum Ergeiz sein, Energie in gute Geschäftserfolge umzusetzen. Jedoch freuen wir uns über den regen Besuch zu unseren Ausstellungen und Sonderveranstaltungen. Wir müssen erkennen, wie sich unser Publikum wandelt und sich die Zusammensetzung ändert. Aber unsere Kunstinteressenten sind wissbegierig und tragen mit uns den Weg in Richtung Gegenwartskunst. Das ermuntert uns, nicht abzuweichen und auch im kommenden Jahr 2005 aufregende, unbekannte und populäre aktuelle Kunst zu präsentieren.