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Rückblick auf 2010 - Ausblick auf das neue Jahr 2011 Das Jahr 2010 begann in der Open Art Galerie mit einer Ausstellung, die bereits im Dezember 2009 gestartet war. Wir erinnerten an das weltweit gefeierte Gedenken an das Bauhaus. Die Schule der Moderne wurde 1919 von Walter Gopius in Weimar gegründet. Auf die Historie griffen wir auch mit der Präsentation von Arbeiten des Bauhaus-Künstlers Heinrich Neuy, der mit 91 Jahren 2003 gestorben ist. Doch Bauhaus ist in den Köpfen und im Kunstbewusstsein ebenso verankert, wie im gegenwärtigen Geschehen. Das Erinnern an Heinrich Neuy wird durch die jetzt (2011) kurz bevor stehende Einrichtung des BauhausMuseumHeinrichNeuy bekräftigt. Den Bauhausbezug zur Gegenwart stellten wir mit der Präsentation des „Foyersessels Gelsenkirchen“ und weiterer Produkte aus dem Hause TECTA her. Mit beiden Beinen in der heutigen Zeit bewegten wir uns mit unserer ersten Fotoausstellung Storytelling, die wir Ende Februar mit der Vernissage in Gegenwart des Künstlers Holger Luczak eröffneten. Die 108 x 144 cm großen Fotos auf AluDibond haben wir auch auf der 23. Deutsch-Niederländischen Grafikbörse in Borken im Beisein von Holger Luczak mit Erfolg gezeigt. Im Mai trafen wir mit dem Künstler Dieter van Offern zusammen, der uns ein ganz eindruckvoll gelungenes Großporträt von Georges Washington zeigte, das uns ungeteilte Begeisterung abrang. Wir hatten 2006 Arbeiten von van Offern ausgestellt, die damals ausschließlich „Porträts“ von Gebäuden zeigten, diese in fotorealistischer Malweise oft dunkelgrundig und stimmungsvoll gemalt. Nun sind seine Bilder heller geworden und erinnern an die Amerikanischen Realisten. Dieter von Offern ist Absolvent der Düsseldorfer Kunstakademie und Student des in diesem Jahr mit über 100 Jahren verstorbenen Ruprecht Geiger. Ebenfalls 2006 hatten wir eine Ausstellung mit den wunderbaren kleinen Gemälden von Elisabeth Schmirl. Schon damals war Stefan Heizinger an ihrer Seite, dessen Arbeiten wir uns für eine spätere Ausstellung vorgesehen hatten. Nachdem wir im Frühsommer beide in Paris getroffen hatten, stellten sie ab Juli mit dem lockeren Titel „Leben, Lieben, Leuchtturm“ aktuelle Malerei und einige Grafiken aus. Es war eine Präsentation hoher Qualität und erfrischend junger Kunst. Noch ein Blick zurück: Im Jahre 2005 fand im Kreis Borken die Skulptur-Biennale statt. Dazu hatte der Berliner Künstler Christian Hasucha die Skulptur „heute“ beigesteuert, die er für einen Zeitraum von 5 Jahren befristet dort existieren lassen wollte. Ende August 2010 war diese Zeit vergangen und „heute“ sollte gestern werden. Bevölkerung, Presse und auch Kreis und Gemeinde bedauerten die vom Künstler angeordnete Zerstörung seines inzwischen geliebten Werkes. Doch es half nichts - er war konsequent und ließ, wie 2005 in der Vereinbarung festgeschrieben, die fünf 3,50 Meter hohen Betonfiguren abbauen und beobachtete den Prozess des Schredderns. Wir hatten geplant, mit Christian Hasucha eine Ausstellung um diese Dekonstruktion zu arrangieren, aber auch darauf wollte er sich nicht einlassen. Das ließ Raum für eine hochinteressante Installation, die Christian Hasucha im hinteren Raum unserer Galerie aufbaute. Es war eine fiktive Baustellensituation. Die reale Baustelle fand zeitgleich vor der Galerietür statt: Die Straße Neutor wurde endlich saniert und einer Innenstadt würdig gepflastert. Die Ausstellung mit Christian Hasucha hatte ihren zweiten Teil in der Präsentation von zehn monochromen eigenwillig farbigen, großen Bildern von Hochwasserfarben, das verblüffende Ergebnis von Beobachtungen des Künstlers von Unterschieden bei Hochwassern an verschiedenen Orten der Welt. Dabei wurde offenbar, wie wichtig Hochwasser oftmals für die Existenzsicherung ganzer Landstriche ist. Der Bochumer Konzeptkünstler Matthias Schamp wusste darüber und über den Kunststandpunkt seines Freundes Christian Hasucha interessant zu referieren. Ende September stand als ein Höhepunkt des Jahres das Galeriejubiläum nach der Gründung vor 20 Jahren an. Die dazu gehörige Ausstellung nannten wir „Frauenpower“ und beteiligten drei Künstlerinnen, mit denen sehr früh nach dem Galeriestart schon Zusammenarbeiten entstanden: Uta Göbel-Groß, Ina Boisman und Elke Tenderich-Veit. Die drei Frauen zeigten sehr differente Malerei und Skulpturen. Feminine Themen bildeten naturgemäß die Basis. Zum Jahrestag musste natürlich gefeiert werden - und das am besten gleich zweimal. Dabei hatten wir wohl mehr als 230 Gäste, die uns zur Galeriearbeit gratulierten. Ein Spendenaufruf brachte als Ergebnis die Summe von etwas über 1.000 €, die den „Heilpraktikern ohne Grenzen“ für ein Projekt im Lamu/Kenia überwiesen wurde. Das ganz große Projekt des Jahres 2010 ist aber die Errichtung der Großskulptur PUERTA des Spanischen Künstlers Manel Marzo-Mart auf der Insel im Kreisverkehr Butenwall/Neutor. Alle Probleme, die uns bei der Vorbereitung und Akquisition von Sponsoren, alle uns in den Weg gelegten Steine und alle Gegnerschaften in dieser dann doch gelungenen Aktion haben wir vergessen und freuen uns jetzt über das fast fünf Meter große Kunstwerk, das uns täglich anzulächeln scheint. Hatten wir schon im September 2009 die Baugenehmigung dafür erhalten, war das jedoch nur ein erster Schritt. Als aber im Spätsommer dieses Jahres Jochen Seibel, der Geschäftsführer der Borkener Kistenfabrik überraschend seinen Entschluss bekannt gab, die etwa fünf Meter hohe Figur aus Cor-Ten-Stahl zu fertigen und dafür selbst alle Kosten zu tragen, musste ein Endspurt für die Restfinanzierung und die Gesamtorganisation eingelegt werden. Es hat große Konzentration und die Investition von Zeit und Nerven gekostet. Die Lokalpolitik war das letzte Hindernis und ließ uns nach einstündiger Stadtratsdiskussion und positivem Entschluss noch 9 Tage für die reale Umsetzung der Installation. Hatte einsetzender Frost schon die provisorische Bestückung des Rundes mit Rollrasen verhindert, brach in den Tagen danach unmittelbar der Winter mit Frost und Schnee ein. Erhaben darüber steht heute die Puerta. Wir erlauben uns, sehr stolz darauf zu sein. Nicht alles ist uns in diesem Jahr gelungen. Artdot sollte als Reihe mit Türkischen Künstlern fortgesetzt werden. Im nahen Ruhrgebiet wurde das Jahr der Kulturhauptstadt gefeiert und hatte viele Aktive mit intensiver Arbeit gebunden. Wir werden die Reihe wieder beleben und schon im Januar 2011 wieder international sein. Auch die Bemühungen, eine Ausstellung mit Timm Ulrichs ist nicht zu Stande gekommen. Wir werden 2011 neuen Kontakt mit dem Künstler aufnehmen und eine gute Präsentation versuchen. Das Jahr 2011 beginnt mit einer Außenausstellung der Open Art Galerie. Die eindrucksvollen, großen Fotos auf AluDibond von den Stelen des Holcaust-Mahnmals in Berlin und zwei Heinrich Heine gewidmeten Fotos werden wir im Beisein von Holger Luczak im Jüdischen Museum in unserer Nachbarstadt Dorsten beginnend am 21. Januar ausstellen. Hier erreichen wir ein Publikum, das es zu begeistern gilt und vielleicht neu für die Galeriearbeit gewonnen werden kann. Ebenfalls noch in diesem Monat - am Sonntag, 30. Januar um 17 Uhr - werden wir mit einer interessanten Vernissage die Ausstellung Afrika - Buch und Kunst auch als Vorstellung des Buches Afrika und die Kunst mit einer Lesung daraus eröffnen. Es werden der Herausgeber Günter Kawik, die Hauptautorin Dorina Hecht und sicher auch andere Autoren und Mitarbeiter am Gelingen dieses etwa 500 Seiten starken Buches anwesend sein. Weil das Buch sich ebenso mit Sammlungen ethnischer, als auch aktueller Afrikanischer Kunst befasst, sind wir gespannt auf den Besuch vielfach spezial ausgerichteter Experten. Für unsere Präsentation zu Vernissage und Ausstellung haben wir Werke von in dem Buch besprochenen Künstlern avisiert, die uns bei der Behandlung dieser Kunst in der Vergangenheit bereits begegnet sind: Toyin Loye, Didier Ahadsi, Romuald Hazoumé, Owusuh Ankomah und Pascale Marthine Tayou. Damit sprechen wir Künstler aus fünf Afrikanischen Ländern an und fordern auf, Differenzen, Fähigkeiten und den Europäischen Blick zu beurteilen. Wir wollen wieder die Deutsch-Niederländische Grafikbörse am ersten März-Wochenende bestücken und zeitgleich mit der Vernissage am Sonntag davor eine Galerie Ausstellung zeigen, die mit Arbeiten eines Künstlers ausgestaltet ist, der Grafik und Gegenwartskunst in wichtiger Position vertritt. Dafür sind wir mit Professor Gunter Rambow im Gespräch. Mit ihm wollen wir den Fokus auf einen nicht im Zentrum des Kunstgeschehens stehenden Part der Kreativität richten: Die Kunst mit Plakaten Konzept, Meinung und Opposition zur Aussage zu machen und zum Denken aufzufordern. Das ist sicher kein falscher Kunstansatz. Das Plakat als Kunstsparte ist in der Galerie und auch auf der Grafik-Börse Neuland. Wir sind selbst Plakat-Sammler und wollen dieses Medium gern als Kunst für den „kleinen Mann“ präsentieren. Ein Künstler, der ausgestellt werden sollte, ist unseres Erachtens Professor Jochen-Geilen, der in diesem Jahr seinen Auftrag an der Fachhochschule Bielefeld per Pensionierung zurückgeben wird. Der Absolvent der Düsseldorfer Kunstakademie und ehemalige Student bei Professor Sackenheim (wie auch Dieter van Offern / s.o.) hat verdienstvolles als Ausbilder geleistet und Bielefeld fertige Künstler geschenkt. Das hätte in OWL niemand erwartet. Seine Studenten gehören sicher zu den Dankbarsten der Kunstsparte. Sie fanden hier Perspektiven vor, die sie nicht erwarteten. Entsprechend gibt es hier Meisterschüler und gestandene Künstler, die einen Professor alter Schule hatten und darauf bauen können. Wir wollen Jochen Geilen nach seiner eigenen Kunst befragen und mit seinen sicher vielfach vorhandenen Arbeiten in Malerei und Grafik eine interessante Ausstellung gestalten, die auch die derzeit viel behandelte aktive Kunstperiode um Joseph Beuys befruchten kann. Ein Überraschungsgast - aber gut vorbereitet - wird vielleicht der junge Künstler Philip Lorenz sein. Seine progressiven Arbeiten haben uns ebenso überrascht wie spontan überzeugt. Er ist ein Viel-Talent. Die Malerei ist außergewöhnlich, oft großformatig. Seine Zeichnungen sind mit dem Körper und seiner Bekleidung, auch Mode befasst. Seine Raum-Installationen scheinen die Spitze seines Schaffens und verzaubern schon in gezeigten Modellen. Wir haben ihm die Konzeption einer Ausstellung in der Galerie überlassen und sich sicher, dass er sich als sein eigener Kurator bewähren wird und uns eine großartige Ausstellung macht, die wir zum Ende des Sommers oder im Herbst zeigen wollen. Im März 2011 werden wir die Sharjah-Biennale besuchen. Unseren Blick über den Tellerrand wollen wir danach analysieren und reflektieren, wie weit uns die Zukunft internationale Kontakte erlaubt, die wir für die Entwicklung der Galerie nutzen können. Wir glauben, dass wir uns mit unseren Erfahrlungen und Leistungen der Vergangenheit, auch im Rückblick auf die letzten 20 Jahre durchaus auf internationalem Parkett bewegen sollten. Gleichwohl besinnen wir uns auch anderweitig auf die Zukunft der Open Art Galerie für Gegenwartskunst, sowohl personell, als die Lokalität betreffend gibt es in unserem Alter durchaus Gründe, organisatorisch nach vorn zu schauen. Unsere Flexibilität, Kreativität und Spontanietät können wir uns hoffentlich bewahren, auch wenn wir unsere Position im Focus vielleicht verlassen. |